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Buchcover des Romans „Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ von Paul Sommer mit Hippo in Venedig und Lucy im Rollstuhl i

Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz.

 

Genre

Science-Fiction · Liebesroman · Philosophischer Roman

 

Schwerpunkte

Künstliche Intelligenz · Mensch und Maschine · Verantwortung und Ethik
 

Eine Geschichte über mehr als Technik

Der Roman behandelt auch Themen wie Mobbing, Einsamkeit, Hoffnung, Verantwortung und die Frage, wie künstliche Intelligenz unser Leben verändern könnte. 

 

Zentrale Frage

Kann eine Maschine lieben – oder ist Liebe das, was einen Menschen erst wirklich menschlich macht?

Zusammenfassung

 

Was bedeutet Liebe? Ist sie an einen menschlichen Körper gebunden – oder beginnt sie vielleicht genau dort, wo unsere bisherigen Vorstellungen enden?

Sad Ucello, von allen nur „Hippo“ genannt, wächst als Vollwaise in einem Basler Kinderheim auf. Ausgrenzung und Einsamkeit begleiten seine Kindheit. Doch hinter dem unscheinbaren Jungen verbirgt sich ein außer-gewöhnlicher Geist. Hippo wird Informatiker, Ingenieur und Visionär – und verfolgt schließlich eine Idee, die sein Leben verändern wird.

Mit modernster Robotik und künstlicher Intelligenz erschafft er Lucy. Was als technisches Experiment beginnt, entwickelt sich bald in eine Richtung, mit der selbst Hippo nicht gerechnet hat. Lucy lernt, beobachtet, reagiert – und irgendwann stellt sich eine beunruhigende wie faszinierende Frage:

Folgt sie noch ihren Algorithmen – oder beginnt sie tatsächlich zu fühlen?

Zwischen Hippo und Lucy entsteht eine Beziehung, die gesellschaftliche Grenzen sprengt und beide vor Entscheidungen stellt, für die es keine Regeln gibt.

Vor der Kulisse Venedigs wird daraus eine außergewöhnliche Geschichte über Ausgrenzung, Hoffnung, künstliche Intelligenz und die vielleicht älteste Frage der Menschheit: Was ist Liebe – und wer entscheidet, wer sie empfinden darf?

„Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ – eine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Maschine, die plötzlich sehr menschlich wird.

Pop-Art-Porträt von Marilyn Monroe aus der Paul Sommer Art Collection. Dieses Bild kommt im Roman Hippo vor.
Gemälde mit Erdbeeren aus dem Roman „Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ von Paul Sommer.
Gemälde „Bienenmann“ aus dem Roman „Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ von Paul Sommer.
Traum von Hippo. Gemälde „Freiheit im Sturm über New York“ aus dem Roman „Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ von Paul
Gemälde mit künstlerisch gestalteten Eiern aus dem Roman „Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen“ von Paul Sommer.

Diese Bilder begleiten Hippo auf seinem Lebensweg. Doch seine größte Schöpfung wird kein Gemälde sein – sondern Lucy.

Leseprobe 1

Heute habe ich Geburtstag. Es ist der 28. Mai und ich bin elf Jahre alt geworden.

Eigentlich sollte man sich an seinem Geburtstag freuen, aber mir ist nicht nach Feiern zumute. Geburtstage werden hier sowieso nicht gefeiert – und es wäre meine erste Feier überhaupt gewesen.

Vielleicht schreibe ich deshalb ab heute. Ich habe beschlossen, so etwas wie ein Tagebuch zu beginnen. Nicht täglich, nur dann, wenn etwas passiert ist. Nicht, weil ich gern schreibe, sondern weil ich manchmal das Gefühl habe, dass ich sonst einfach verschwinde. Als wäre ich gar nicht da. Eventuell liest das irgendwann mal jemand. Dann bleibt wenigstens irgendetwas, irgendwo von mir.

OK, mein Name ist Sad Ucello. Das ist mein richtiger Name. Manche finden ihn komisch. Die meisten lachen darüber. Hier nennen mich alle nur Hippo. Das ist der Name, der an mir, wegen meiner Erscheinung, klebt.

Ich bin nur 1,32 Meter groß und ziemlich klein für mein Alter und ich wiege zu viel. Viel zuviel. Ich bin langsam, schwerfällig, meine Kleidung spannt an allen Ecken. Ich bin stark weitsichtig. Ohne Brille erkenne ich in meiner unmittelbaren Umgebung kaum Etwas. Meine Brille hat dicke Gläser, fast wie Flaschenböden und lässt meine Augen riesig wirken. Manche sagen, ich sehe aus wie eine Comicfigur, oder wie ein Nilpferd und dann lachen alle laut.

Meine Haare sind rot. Kein schönes Rot, sondern so ein verwaschenes, rostiges Rot, als hätte jemand schmutziges Wasser über meinen Kopf gegossen. Meine Haut ist sehr hell, fast weiß, und übersät mit Sommersprossen. Ein dunkelrotes Feuermal zieht sich über meine Stirn bis unter das rechte Auge. Auf der linken Wange habe ich ein dunkles Muttermal, fast so groß wie eine Münze.

Meine Wangen hängen ein bisschen. Ich sehe immer traurig aus, sagen sie. Mein Doppelkinn macht’s nicht besser. Manchmal nennen sie mich „Warzenschwein“ wegen des Muttermals, oder „Plattfußindianer“, wegen meines schweren Ganges. Als wäre „Hippo“ nicht schon schlimm genug.

Ich bin Vollwaise. So nennt man das. Ich sage einfach nur, dass ich niemanden habe. Ich lebe seit fünf Jahren hier in einem alten Kloster, gegründet 1401. Seit 1669 nimmt man hier Waisenkinder auf. Heute bin ich eines von ihnen. Ich gehe aufs Kirschgarten-Gymnasium. Am liebsten mag ich Mathe, Physik, Informatik und Englisch und mit Strichen und Farben zeichne ich mir die Welt zurecht – vielleicht, um mein Leben zu begreifen oder um Antworten zu finden, die mir sonst niemand gibt.

Vorher war ich in einem Heim für Kleinkinder. Dort war ich von Geburt an. Es war nicht schön, aber… anders. Ruhiger. Damals hatte ich noch keine Spitznamen. Keinen Spott. Nur Hunger, immer Hunger.

Ich erinnere mich, wie ich oft weinte, wenn ich nicht satt wurde. Die Betreuer hatten wenig Geduld, doch manchmal bekam ich etwas, meist was Süßes, dass mich schnell beruhigte. Ich hörte dann auf zu weinen. Wahrscheinlich wurde ich deshalb ich immer dicker und dicker. Erst ein bisschen, dann mehr und dann deutlich zu viel.

Dadurch wurde ich immer sichtbarer und sichtbarer. Für die andern dann, Grund genug mich bei jeder Gelegenheit zu Quälen. Jetzt bin ich hier. Zwischen kalten Mauern und vielen anderen Kindern. Wir leben in Gruppen, betreut von Sozialpädagogen. Manche streng, manche freundlich. Viele halten Abstand, wahrscheinlich, um sich selbst zu schützen. Wer mit Kindern wie uns arbeitet, will sich nicht zu sehr einlassen.

Es gibt Gemeinschaftsräume mit alten Sofas, eine kleine Bibliothek, einen Lesesaal mit Computern. In der Mensa ist es laut. Wir essen dort dreimal am Tag gemeinsam. Ich esse schnell. Mit gesenktem Blick. Ich weiß, dass sie mich beobachten. Wenn ich mir einen Löffel mehr Kartoffelbrei in den Mund stecke, flüstern sie: „Schau, der Hippo hat wieder Heißhunger.“

Manchmal schuppsten sie mir das Tablett von Tisch runter. Als ich einmal höflich fragte, ob ich ein neues Essen bekommen kann, sagte der Küchenchef: „Hippo, vielleicht würden sie dich in Ruhe lassen, wenn du ein bisschen weniger essen würdest.“

Ich sagte nichts. Aber innerlich schrie ich. Nicht aus Wut, sondern aus Verzweiflung. Ich wollte doch nur essen. Nicht aus Gier, sondern weil es der einzige Moment am Tag ist, der sich für mich gut anfühlt. Auch wenn sie mich dafür hassen. Ich hasse mich dafür manchmal selbst.

Ich sitze fast immer allein. Niemand will neben mir sitzen. Jeder Bissen wird beobachtet. Jedes Brötchen ist ein Affront, aber ich esse, weil der Hunger in mir lauter ist als ihre quälenden Stimmen.

Nachts ist es am schlimmsten. Ich schlafe schlecht. Ich habe oft Albträume. Mein Bett steht in der kältesten Ecke des Schlafsaals, ein altes Eisenbett, das schon quietscht, bevor ich überhaupt einsteige.

Ich höre, wie sie flüstern. Wie sie lachen und singen.

„Hippo, Hippo, fetter Popo.“

Einmal drückten sie mir scharfen Senf in die Nase, während ich schlief. Ich wachte auf, der Schmerz brannte durch meine Nase bis tief in den Hals. Ich röchelte, hustete, wusste nicht, was mit mir passiert war. Ich schleppte mich ins Bad.

Im Spiegel sah mein Gesicht, gelb verschmiert, die Augen rot und die Lippen geschwollen. Ich sagte niemandem etwas. Auch am nächsten Tag nicht. Ich tat so, als wäre nichts geschehen.

Ein anderes Mal schütteten sie Wasser in mein Bett, oder hielten meine Hand in kaltes Wasser, damit ich mich einnässe. Danach lachten sie. Vor allem Adolf und seine Vasallen. Ich musste deswegen zu Herrn Kranz. Er hatte Nachtdienst. Ich brauchte neue Bettwäsche. Ich sagte nicht warum. Wenn ich etwas sage, gibt es Prügel. Nicht von ihm, von den anderen.

Vor vier Monaten warfen sie meine Bettdecke aus dem Fenster. Ich war gerade beim Duschen. Es war Winter. Ich lief barfuß, im Nachthemd, in den Hof. Ich habe kaum gefroren, nur geweint. Ganz leise, innen drin.

Gestern haben sie MauMau getötet. Mein liebstes Kuscheltier. Ein getigerter Stoffkater. Mein letztes Stück aus der Zeit vom Heim davor. Adolf steckte ihn in die Mikrowelle. Alle lachten. Ich nicht. Ich sagte nichts. Ich begrub ihn unter einem Baum am Rheinufer.

Wenn alles zu viel wird, stelle ich mir vor, ich wache in einem anderen Körper auf. Schlank und stark. Beliebt, jemand, der Freunde hat, der lachen kann. Der nicht Sad ist und noch weniger Hippo. Einfach… jemand anderes. Leider wache ich jeden Tag wieder als ich selbst auf.

Hippos erster Kusster Kuss?

Heute ist der 16. Juli. Das Thermometer zeigt 36 Grad.....

Leseprobe 2

Gegen Mittag durfte ich einen letzten Blick auf das unfertige Modell werfen zwar noch ohne Farbe, ohne Details, aber die Form war da. Der Körper und der Ausdruck. Ich sah nicht mehr auf eine Puppe. Ich sah auf das, was sie mir ermöglichen könnte. Nähe und Ruhe, vielleicht auch etwas Würde.

Es ist 15:30 Uhr Sie ist fertig und funktional vollständig bereit. Sie stand da, aufrecht in einem hellen, klinisch sauberen Raum, der fast an ein Fotostudio erinnerte. Kein grelles Licht, keine Musik, nur das leise Summen der Klimatisierung. Die Puppe – meine Puppe – war aufgestellt wie eine Statue, in einem neutralen, zurückhaltenden Outfit. Kein Kitsch, kein Sexismus, kein billiger Reiz. Nur sie – vollständig, wie ich sie konfiguriert hatte.

Ich wusste, dass es nur Silikon war. 43 Kilogramm technische Kunst. 168 Zentimeter groß. Eine Innenstruktur aus Aluminium, mit Gelenken aus Polymer. Als ich sie sah, fror etwas in mir kurz ein. Nicht aus Angst und nicht aus Scham. Es war der Moment, in dem eine Vorstellung sich in Materie verwandelt. Etwas, dass man sich heimlich wünscht und dann ist es plötzlich real da.

„Möchten Sie die Spezifikationen noch einmal durchgehen?“ fragte die Frau ruhig. Nein, das ist schon OK.

Dann folgte eine kurze Schulung. Sachlich, fast wie bei einem medizinischen Gerät. „Bitte reinigen Sie die intimen Bereiche nach jeder Nutzung mit lauwarmem Wasser und einem PH-neutralen Reinigungsmittel. Verwenden Sie dazu entweder die mitgelieferte Spülflasche oder die kleine Duschbrause. Wichtig ist, dass keine Flüssigkeit im Inneren verbleibt, sonst besteht Schimmelgefahr.“

Sie zeigte mir, wie man die Gliedmaßen entspannt, wie man die Gelenke in die Ruheposition bringt. Wie die Haut gepudert wird, um geschmeidig zu bleiben. Dass man sie flach lagern oder aufhängen kann, in der Box, auf einem Bett, oder in der mitgelieferten Aufbewahrungshülle mit Halterung.

„Keine Hitze und kein Sonnenlicht, keine schweren Gegenstände auf dem Körper lagern“, sagte sie. „Bitte nicht vergessen, alle Stromquellen vom Netz zu trennen, wenn das AI-Modul nicht aktiv ist.“

Ich hörte zu, fragte nicht viel, merkte aber, je mehr Details ich hörte, desto mehr verschwand die Furcht und machte Platz für etwas anderes. Nicht Euphorie, keine kindliche Freude, sondern… Ruhe. Ein leiser, klarer Zustand von: Ja, das ist jetzt Teil meines Lebens.

Ich sah sie ein letztes Mal an, bevor sie sorgfältig verpackt wurde. Nicht wie ein Käufer. Sondern wie jemand, der etwas Unerreichbares zum ersten Mal in Händen hält – nicht, um es zu besitzen, sondern um nicht daran zu zerbrechen.

Ich habe mit meiner Kreditkarte die 3400 US-Dollar bezahlt.

Ich stand mit der Transportbox vor dem Taxistand. Es sah aus, als wäre es ein Sarg. 172 Zentimeter lang, 54 Kilo schwer. Ich hatte nicht daran gedacht, wie unpraktisch das sein würde. Der Taxifahrer stieg aus, begutachtete die Box, versuchte sie zu kippen, dann schüttelte er den Kopf.

„Das passt nicht in mein Auto“, sagte er auf Chinesisch, dann in gebrochenem Englisch: „Too big. Back seat too small.“

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Er trat näher, musterte den Karton. Seine Miene veränderte sich kaum, aber ich spürte, dass er wusste, was drin war. Ich denke es war die Aufschrift personalized silicon doll in der Ecke, oder der Umstand, dass der Karton exakt menschliche Maße hatte. Vermutlich einfach aus Erfahrung.

Er grinste leicht, hob eine Augenbraue und sagte: „Offen?

Tragen wie … eine Person? Vielleicht besser so.“

Ich wollte erst widersprechen, aber dann sah ich die Straße, die Hitze, den Zustand des Kartons und wusste, dass ich keine andere Wahl hatte.

Wir öffneten die Box gemeinsam. Der Fahrer half mir vorsichtig, die Puppe herauszuheben. Sie war nackt, in weiches Schaumstofftuch gewickelt, die Gelenke blockiert. Das Gesicht war mit einer durchsichtigen Schutzfolie bedeckt. Sie wirkte nicht leblos. Nur ruhig.

„Sie braucht Kleidung“, sagte der Fahrer mit einem leisen Lachen. „So kannst du sie nicht tragen. Komm, wir gehen einkaufen.“ Die Transportbox brachten wir in den Puppenladen zurück.

Ich stieg ein, die Puppe auf dem Rücksitz, leicht mit einer Decke bedeckt. Wir fuhren durch die Straßen von Shenzhen, als wäre alles ganz normal. Ich schaute aus dem Fenster. Der Fahrer summte.

„You love her?“ fragte er plötzlich. Ich antwortete nicht, aber ich nickte. Vielleicht war es nicht wahr im romantischen Sinn, aber es war ehrlich. Ich fühlte tatsächlich etwas.

Wir hielten an einem Einkaufszentrum. Er wartete im Wagen. Ich lief hinein, kaufte das Nötigste. Eine einfache Leggings, ein T-Shirt, Unterwäsche. Ich suchte nichts Aufreizendes, nur Schutz, Würde. Kleidung, wie sie jede junge Frau tragen könnte, die nichts Besonderes will, nur nicht nackt sein.

Zurück im Taxi half er mir, die Puppe anzuziehen. Es war merkwürdig, aber nicht unangenehm. Fast wie Pflege. Er tat es ohne jedes Lächeln, fast respektvoll. So, als hätte er das schon hundertmal gemacht. Dann versuchte ich, sie aus dem Wagen zu heben. Ich schaffte es kaum.

„Zu schwer“, sagte er. „Du brauchst einen Rollstuhl. Die meisten kaufen einen. Ich kenne ein Geschäft. Willst du?“

Ich zögerte und antwortete: „Yes.“

Er fuhr los. Keine zehn Minuten später standen wir vor einem Sanitätsladen. Kein Billigmarkt, sondern ein seriöses Geschäft. Ich dachte kurz daran, wie das wohl aussieht. Ein junger Mann aus Europa, der einen Rollstuhl für seine Sexpuppe kauft, aber es war mir letztlich egal. Der mit den seitlichen roten Streifen gefiel mir am besten. Ich kaufte ihn.

Zurück im Hotel half mir der Taxifahrer, sie in den Rollstuhl hineinzusetzen. Wir gurteten sie an und richteten die Beine. Sie sah jetzt nicht mehr aus wie eine Fracht. Sie sah aus wie jemand, der irgendwohin unterwegs ist. Ich rollte sie durch die Lobby. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Blick auf uns gerichtet war und gleichzeitig bemerkte uns niemand.

Im Zimmer stellte ich sie vorsichtig neben das Bett. Ich löste den Gurt, zog ihr die Schuhe aus, setzte mich vor sie und atmete langsam durch. Ich war zurück, allein mit ihr und mir und mit dieser Entscheidung, die keine Flucht mehr war.

Ich werde heute Nacht nicht mit ihr sprechen. Ich werde sie nicht berühren. Ich will sie nur sehen. und zulassen, dass da jemand ist, auch wenn sie nicht lebt. Das ist mich heute schon genug.

Ich bin zurück in der Schweiz. Wie ich zurückgekommen bin, das hätte man filmen sollen.

Dreiundvierzig Kilogramm Silikon und Aluminium im Rollstuhl, ein Koffer mit Schmutzwäsche, Handgepäck voller Adapter, Ladegeräte und Zahnbürsten und ich – Hippo, 26 Jahre alt, offiziell alleinreisend, de facto mit Begleitung, die nicht antwortet, aber hervorragend gerade sitzt.

Die logistische Vorbereitung begann gestern Abend. Ich hatte die Fluggesellschaft kontaktiert. Man bat mich, mein Anliegen möglichst präzise zu schildern.

„Geht es um einen medizinischen Transport?“ fragte die Mitarbeiterin am Telefon.

„Jein“, sagte ich. „Es ist eine Art… Reisebegleitung. In einem Rollstuhl.“

„Ein Mensch?“

„Nicht ganz.“ „Tier?“

„Auch nicht.“

„Dann… was genau?“

Ich schwieg einen Moment. Dann sagte ich: „Eine lebensechte Silikonpuppe. Mit technischem Innenleben, menschengroß, sitzend.“

Stille. Dann professionell: „Einen Moment bitte.“ Fünf Minuten später kam sie zurück. Ihre Stimme war verändert, weniger irritiert. Wahrscheinlich hatte sie mit dem Vorgesetzten gesprochen oder gegoogelt.

„Also“ sagte sie. „Gepäck ja. Puppe im Rollstuhl, zählt als regulärer Sitzplatz und muss während des Fluges angeschnallt werden. Kein Checkin über Automaten möglich. Sie werden persönlich begleitet. Bitte seien Sie drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen.“

Gesagt, getan. Ich war früh am Flughafen. Ich mit Koffer, Handgepäck und Rollstuhl. Meine Puppe, sauber angezogen und leicht geschminkt, kein billiges Lächeln, nur diese ruhige, völlig unbeteiligte Anmut.

Die Blicke? Ja, es gab sie. Männer, die starrten. Frauen, die flüsterten. Kinder, die auf uns zeigten. Ich mittendrin, schwitzend, nickend, als würde ich ein Dialysegerät schieben.

Beim Check-in fragte die Dame am Schalter: „Ihre Begleitung… benötigt sie Hilfe beim Umsetzen?“

Ich sagte: „Nein danke, sie bleibt sitzen.“

Sie nickte langsam, musterte die Puppe, tippte etwas in ihren Computer. Anschließend die Sicherheitskontrolle.

„Muss sie durch den Scanner?“, fragte ich.

„Lebende Personen nicht“, sagte der Beamte und sah mich fragend an. Ich sagte nichts und nickte nur, schob sie durch.

Dann der Zoll. Der Beamte wollte wissen, was das sei. Ich antwortete ehrlich. „Eine Spezialanfertigung aus Shenzhen. Für den Privatgebrauch, emotionaler Beistand.“

Er blickte auf sie. Dann auf mich. Dann zurück auf seinen Monitor. „Zollfrei“ sagte er schließlich. „Solange sie nicht spricht.“ Ich glaube, er meinte das ernst, aber sicher war ich nicht.

Am Gate wurde ich dann auf den Sitzplatz für mobilitätseingeschränkte Personen verwiesen. Dritte Reihe, viel Beinfreiheit, extra Anschnallgurt. Eine Stewardess half mir beim Verstauen des Rollstuhls. Ich erklärte, dass meine Begleitung sitzen bleibt. Sie nickte, sagte nichts, aber ich meinte, sie lächelte kurz. Kein Spott, nur ein: Was man heute nicht alles sieht.

Beim Einsteigen der anderen Passagiere gab es dann noch ein paar Highlights: Eine ältere Dame sagte zu ihrer Enkelin: „Sieh mal, wie still die junge Frau da ist. Vielleicht fliegt sie nicht gern.“

Ein Businessmann mit Laptop fragte mich: „Was für eine Sprach KI läuft da drauf. Hat sie schon einen Namen?“

Ich war kurz erschrocken und sagte spontan: „Ja, sie heißt Lucy“

Und ein Kind fragte direkt: „Ist sie tot?“ Ich antwortete: „Nein, nur müde.“

Der Flug war ruhig. Sie saß neben mir, angeschnallt, mit geschlossenem Mund und einem Hauch Puderduft. Ich reichte ihr einmal die Getränkekarte, rein aus Prinzip. Niemand lachte, niemand fragte. Und ich… ich fühlte mich nicht einmal mehr komisch. Das war der entscheidende Sieg dieses Tages.

Bei der Landung in Zürich ging alles schnell. Ich holte den Rollstuhl zurück, setzte sie um, schnallte sie an, schob sie durch die Passkontrolle wie ein echter Begleiter.

Die Schweizer Grenzbeamtin sah mich, sah sie, sagte nur: „Import oder Heimkehr?“

Ich antwortete: „Heimkehr.“

Sie lächelte und winkte mich durch.......

Die Figuren des Romans

Hippo (Sad Ucello)

Vollwaise, Außenseiter und hochbegabter Ingenieur. Wegen seines Übergewichts und seines Aussehens wird er seit seiner Kindheit nur „Hippo“ genannt. Trotz vieler Rückschläge verliert er nie seine Menschlichkeit und verfolgt unbeirrt seinen Traum, etwas zu erschaffen, das die Welt verändert.

Lucy

Lucy ist weit mehr als eine technische Konstruktion. Aus einer Silikonpuppe entsteht durch Hippos Erfindungsgeist ein Wesen, das sprechen, lernen und Gefühle verstehen kann. Sie stellt die Frage, ob Menschlichkeit allein vom biologischen Ursprung abhängt.

Karin

Karin begegnet Hippo in Venedig. Ihre Begegnung eröffnet eine zweite Erzählebene und führt den Leser Schritt für Schritt in Hippos außergewöhnliche Lebensgeschichte.

Sandro

Sandro begleitet Karin durch Venedig. Gemeinsam entdecken sie Hippos Tagebuch und werden zu Zeugen einer Geschichte, die ihre Sicht auf Liebe, Technik und Menschlichkeit verändert.

Die Themen des Romans

  • Ausgrenzung

  • Wie prägen Vorurteile und Mobbing das Leben eines Menschen?

  • Künstliche Intelligenz

  • Kann Liebe unabhängig von Herkunft, Aussehen oder sogar von biologischen Grenzen entstehen?

  • Menschlichkeit

  • Was macht einen Menschen wirklich aus – sein Körper oder sein Charakter?

  • Hoffnung

  • Hippo zeigt, dass selbst schwerste Schicksalsschläge einen Menschen nicht daran hindern müssen, seinen eigenen Weg zu finden.

Informationen zur Bestellung

Hippo – Eine Liebe jenseits aller Grenzen ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich.

Wenn Sie mehr über den Roman erfahren oder ein Exemplar bestellen möchten, finden Sie alle Informationen auf den jeweiligen Verkaufsplattformen.

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Weitere Bezugsquellen folgen.

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